
Gicht ist eine Stoffwechselerkrankung, bei der es durch eine Purinstoffwechselstörung oder eine gestörte Harnsäureausscheidung zu einer Erhöhung der Harnsäure im Blut kommt; Harnsäurekristalle lagern sich in Gelenken, Weichteilen und Nieren ab und lösen wiederkehrende akute Gelenkentzündungen, die Bildung von Gichtknoten und Nierenschäden aus. Gicht trägt seit alters her den Namen „Krankheit der Könige“; mit der Veränderung der modernen Ernährung – mehr Fleisch, Meeresfrüchte und Alkohol – steigt die Zahl der Erkrankungen stetig, und das Erkrankungsalter sinkt. Das Grundproblem der Gicht ist die Hyperurikämie.
Harnsäure ist beim Menschen das Endprodukt des Purinabbaus und stammt aus Purinen der Nahrung (exogen) sowie aus dem Abbau körpereigener Zellen (endogen); ausgeschieden wird sie vor allem über die Niere. Bildet der Körper zu viel Harnsäure oder scheidet er zu wenig aus, überschreitet die Harnsäurekonzentration den Sättigungspunkt, und Harnsäurekristalle lagern sich an kälteren, durchblutungsschwächeren Stellen (etwa den Zehengelenken) ab und lösen eine Entzündungsreaktion aus. Risikofaktoren sind: genetische Veranlagung, männliches Geschlecht, Adipositas, purinreiche Ernährung (Innereien, Meeresfrüchte, kräftige Brühe), Alkohol (insbesondere Bier), zuckerhaltige Getränke, bestimmte Medikamente (Diuretika, Acetylsalicylsäure) sowie eine Nierenfunktionseinschränkung.
Der typische Gichtanfall ist eine akute Gelenkentzündung. Sie bricht oft nachts oder morgens plötzlich aus und betrifft am häufigsten das Großzehengrundgelenk; das Gelenk ist gerötet, geschwollen, überwärmt und äußerst schmerzhaft, oft so stark, dass schon die Berührung des Bettlakens unerträglich ist. Der Anfall kann von allein abklingen, kehrt aber wieder; im beschwerdefreien Intervall fehlen Symptome.
Wird die Harnsäure langfristig nicht kontrolliert, können sich durch reichliche Ablagerungen Gichtknoten bilden, vor allem an der Ohrmuschel und um die Gelenke; sie zerstören Gelenk und Knochen und führen zu Deformierungen. Auch in der Niere können sie sich ablagern und eine Harnsäure-Nierenerkrankung sowie Nierensteine verursachen, in schweren Fällen bis zur Niereninsuffizienz. Die Diagnose der Gicht beruht auf der Klinik und der Harnsäurebestimmung; der Nachweis von Harnsäurekristallen in der Gelenkflüssigkeit oder in Gichtknoten während eines akuten Anfalls ist der diagnostische Goldstandard.
Eine Dual-Energy-CT kann nichtinvasiv Kristallablagerungen im Gelenk darstellen. Erhöhte Harnsäure zusammen mit typischen Symptomen erlaubt meist die Diagnose; dabei ist zu beachten, dass bei manchen Patienten im akuten Anfall die Harnsäure normal sein kann. Die Behandlung der Gicht gliedert sich in die Kontrolle des akuten Anfalls und die langfristige Harnsäuresenkung.
Während eines akuten Anfalls sollte Bettruhe eingehalten und die betroffene Extremität hochgelagert werden; frühzeitig werden nichtsteroidale Antirheumatika, Colchicin oder Glukokortikoide zur Entzündungshemmung und Schmerzlinderung eingesetzt, worunter die Symptome meist innerhalb weniger Tage abklingen. Im Intervall und im chronischen Stadium liegt der Kern in der langfristigen Einstellung der Harnsäure auf Zielwerte (meist unter 360 μmol/L, bei Gichtknoten unter 300 μmol/L). Zur Harnsäuresenkung eignen sich Allopurinol oder Febuxostat (Hemmung der Harnsäurebildung) oder Benzbromaron (Steigerung der Ausscheidung); die Therapie muss ärztlich eingeleitet werden, beginnt mit niedriger Dosis und Nebenwirkungen sind zu beachten.
Auch die Ernährung ist wichtig: purinreiche Speisen meiden, Alkohol und zuckerhaltige Getränke weglassen, reichlich trinken (über 2000 ml pro Tag), um die Harnsäureausscheidung zu fördern, und das Körpergewicht kontrollieren. Gicht ist eine verhinderbare und beherrschbare chronische Erkrankung. Menschen mit hoher Harnsäure sollten diese regelmäßig kontrollieren und durch Ernährung und Lebensstiländerung einen ersten Anfall vermeiden; bereits Erkrankte benötigen eine langfristige normgerechte Harnsäuresenkung und dürfen die Medikation nicht einfach selbst beenden, nur weil lange kein Anfall auftritt, da sonst das Risiko für Gichtknoten und Nierenschäden fortbesteht.
Regelmäßige Medikation, Nachsorge, angepasste Ernährung und ausreichend Bewegung halten die Gicht langfristig stabil.
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