
Schlaflosigkeit ist die haeufigste Schlafstoerung und beschreibt einen Zustand, bei dem trotz geeigneter Schlafgelegenheit und -umgebung wiederholt Einschlafschwierigkeiten, Probleme, den Schlaf zu halten, oder zu fruehes Erwachen auftreten, verbunden mit einer Beeintraechtigung der Tagesfunktion. Schlaflosigkeit kann sich darin zeigen, dass man lange nicht einschlafen kann, nachts haeufig aufwacht und nicht wieder einschlafen findet, oder sehr frueh aufwacht und nicht weiterschlafen kann. Langfristige Schlaflosigkeit beeintraechtigt die Arbeit, das Lernen und das Leben am Tag erheblich, fuehrt zu Konzentrationsminderung, Gedaechtnisschwund und Gereiztheit und ist eine wichtige Gefahr fuer die koerperliche und seelische Gesundheit.
Die Ursachen der Schlaflosigkeit sind komplex und entstehen oft durch das Zusammenwirken mehrerer Faktoren. Praedisponierende Faktoren sind genetische Veraalangung und eine angstsensitive Persoenlichkeit; ausloesend sind haeufig Lebensdruck, berufliche und schulische Belastung, emotionale Schwankungen (Angst, Depression, Anspannung), ploetzliche Lebensereignisse, eine durch Schichtarbeit oder Jetlag gestoerte innere Uhr, laute oder zu helle, kalte oder warme Umgebung, Kaffee, starker Tee oder Alkohol vor dem Schlafen sowie bestimmte Erkrankungen (Schmerzen, Atemwegserkrankungen, Schilddruesenueberfunktion) und Medikamente. Aufrechterhaltende Faktoren sind uebermaessige Sorge vor der Schlaflosigkeit, zu lange Bettzeit und tagsueber Nachschlaf, wodurch die Schlaflosigkeit chronisch wird.
Angst und Depression stehen oft in einer wechselseitigen Beziehung zur Schlaflosigkeit und bilden einen Teufelskreis. Das Kernmerkmal der Schlaflosigkeit ist schlechte Schlafqualitaet bei zugleich gestoerter Tagesfunktion. Die Patienten wuehlen sich nachts, haben viele Traeume und wachen leicht auf; tagsueber sind sie matt, schlaefrig und kraftlos, koennen sich kaum konzentrieren, das Gedaechtnis laesst nach, sie sind reizbar, und die Arbeits- und Lernleistung sinkt deutlich.
Langjaehrig Schlafende koennen zudem unter Kopfschmerz, Schwindel, Herzrasen und Magen-Darm-Beschwerden leiden; zudem steigen die Risiken fuer Angst und Depression, Bluthochdruck, Diabetes und eine geschwaechte Abwehr. Die Diagnose der Schlaflosigkeit beruht vor allem auf ausfuehrlicher Anamnese und schlafbezogenen Frageboegen. Der Arzt erfasst die Form, Dauer und tagsueber Auswirkung der Schlaflosigkeit sowie moegliche Ausloeser.
Bei Verdacht auf eine Schlafapnoe oder das Restless-Legs-Syndrom kann eine polysomnographische Untersuchung zur Diagnosesicherung erfolgen; liegt einer Stoerung der Stimmung zugrunde, ist die psychische Verfassung mitzubeurteilen. Bei der Behandlung der Schlaflosigkeit stehen nichtmedikoese Verfahren wie die kognitive Verhaltenstherapie an erster Stelle; dies ist auch international als Mittel der ersten Wahl anerkannt. Dazu gehoeren die Stimuluskontrolltherapie (nur zu Bett gehen, wenn man schlaefrig ist; das Bett nur zum Schlafen nutzen; bei Schlaflosigkeit aufstehen), die Schlafrestriktion (Veroerzung der Bettzeit zur Steigerung der Schlafeffizienz), Entspannungsverfahren, kognitive Umstrukturierung (Korrigieren unvernuenftiger Schlafvorstellungen) sowie Schlafhygiene (regelmaessiger Tagesablauf, Reize meiden, ruhige und behagliche Schlafumgebung).
Medikamente werden vor allem zur kurzfristigen Linderung eingesetzt, etwa Benzodiazepin-Rezeptor-Agonisten, Nicht-Benzodiazepin-Schlafmittel (Zopiclon, Eszopiclon), Melatonin-Rezeptor-Agonisten sowie schlaffoerdernde Antidepressiva; sie sollten nur kurzfristig und nach Bedarf nach aerztlicher Anweisung genommen werden, um eine Abhaengigkeit zu vermeiden. In der traditionellen chinesischen Medizin wird Schlaflosigkeit nach Herz, Leber, Milz und Niere differenziert und mit Rezepturen zur Beruhigung des Geistes sowie mit Akupunktur behandelt. Vorbeugung und Verbesserung der Schlaflosigkeit beruhen auf guten Schlafgewohnheiten.
Der Tagesablauf sollte regelmaessig sein, auch am Wochenende sollten Bett- und Aufstehzeit moeglichst fest bleiben; eine Stunde vor dem Schlafen sollte man Abstand von Handy und Computer halten; Kaffee und starker Tee sollten nach dem Nachmittag, ein zu reichliches oder zu leeres Abendessen vermieden werden; tagsueber ist massvolle Bewegung gut, doch kurz vor dem Schlafen sollte man auf intensiven Sport verzichten; das Schlafzimmer sollte ruhig, dunkel und temperaturmaessig behaglich sein. Haeelt die Schlaflosigkeit laenger als zwei Wochen an und beeintraechtigt das Leben, sollte umgehend aerztlicher Rat eingeholt und eine systematische Therapie aufgebaut werden; eine langfristige Eigenmedikation mit Schlafmitteln ist zu vermeiden.
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